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Prosumer begünstigen?

Eine geplante Änderung der Netztarife im Rahmen der Verordnungsrevisionen zur Energiestrategie 2050 stösst bei den Netzbetreibern auf Kritik. "Das BFE will in der neuen Stromversorgungsverordnung (StromVG) die Prosumer weiter bevorteilen - zulasten der übrigen Netznutzer", sagte Peter Lehmann, Präsident des Dachverbandes Schweizer Verteilnetzbetreiber (DSV), zu energate.

Die in der Vernehmlassung befindliche Verordnung sieht vor, dass die Netzbetreiber ihre angeschlossenen End- und Eigenverbraucher mit einer Anschlussleistung bis 15 kVA in einer Kundengruppe zusammenfassen müssen - unabhängig vom tatsächlichen Netzgebrauch. Innerhalb einer Kundengruppe müssen die Netznutzungstarife einheitlich sein.

"Ein Prosumer, der sich mit Hilfe einer Solaranlage mit Batteriespeicher weitgehend autark versorgen kann, bezahlt viel zu wenig an die Netzkosten - obwohl er die gleich hohe Netzkapazität beansprucht, als wenn er keine Produktions- und Speicheranlage hätte", sagte Lehmann. "Dies widerspricht auch dem Grundgedanken der verursachergerechten Kostenzuteilung gemäss StromVG."

Der DSV stehe der Fotovoltaik durchaus wohlwollend gegenüber, so Lehmann. Doch es sei wichtig, dass sämtliche Kunden gleich behandelt werden. Eine verursachergerechte Lösung für die Tragung der Netzkosten könnte etwa die Einführung eines leistungsorientierten Tarifes sein.

Gegen die Einführung eines Leistungstarifs wehrt sich hingegen Martin Borner, Netzexperte von Energie Zukunft Schweiz: "Ein Leistungstarif würde meines Erachtens dazu führen, dass Prosumer sich langfristig mit Batterien unabhängiger vom Netz machen. Dadurch würden die Netzkosten auf immer weniger Nutzer verteilt und individuell steigen", sagte Borner zu energate.

In der dicht besiedelten Schweiz mit ihren grossen Speicherseen wäre diese Entwicklung kaum wünschbar. "Prosumer sowie energiebewusste Konsumenten spielen für die zukünftige Energieversorgung der Schweiz eine wichtige Rolle. Sie verdienen gute Rahmenbedingungen", argumentierte der Netzexperte weiter. Selbstverständlich sollen aber auch die Netzbetreiber ihre Investitionen angemessen verzinsen können.

Auch eine Abrechnung der Netznutzung über einen reinen Grundpreis hält Borner für nicht zielführend: "Sie bietet keine Impulse für Effizienzmassnahmen und den Ausbau der dezentralen Stromproduktion. Weiter wäre eine Flatrate auch für die Netzentwicklung ungünstig. Denn dadurch fehlen Anreize zur Ausnutzung des Netzes in Schwachlastzeiten." Sinnvoller sei es, wenn die Netzkosten hauptsächlich als Hoch- und Niedertarif-Arbeitspreise an die Kunden verrechnet werden - so wie es der Bundesrat in seiner Verordnung zur Energiestrategie vorsehe.

(Quelle: energate.ch)
 

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